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Polymer
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| Polymere (Beispiele) |
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| Die sich wiederholende Einheit des Polymers Polypropylen . |
| Cellulose ist ein Polymer und das wichtigste Strukturelement der Pflanzen. |
Ein Polymer [] (von altgriechisch ĎοΝĎ, polĂ˝ âvielâ und ÎźÎĎÎżĎ, mĂŠros âTeilâ) ist ein chemischer Stoff, der aus MakromolekĂźlen besteht.cite-ref-1[1] Die MakromolekĂźle dieser Stoffe sind aus einer oder mehreren Struktureinheiten, den sogenannten konstitutionellen Repetiereinheiten oder Wiederholeinheiten, aufgebaut. Das Adjektiv polymer bedeutet entsprechend âaus vielen (gleichen) Teilen aufgebautâ. In vielen Fällen besteht ein Polymer aus nicht identischen MakromolekĂźlen, da die Anzahl der Wiederholeinheiten und damit die MolekĂźlmasse der MolekĂźle variiert. Synthetische oder halbsynthetische Polymere sind die Hauptkomponente fĂźr die Herstellung von Kunststoffen. Von Lebewesen erzeugte Polymere werden Biopolymere genannt und haben essentielle Bedeutung fĂźr das Leben.
Contents
⢠Einteilung
⢠Polymerchemie
⢠Polymerphysik
⢠Analytik
⢠Literatur
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
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Einteilung
Polymere kĂśnnen in natĂźrliche und synthetische Polymere unterteilt werden.
⢠Natßrliche Polymere (Biopolymere) werden in Lebewesen synthetisiert und bilden die Grundbausteine der Organismen. Zu diesen Polymeren zählen die Proteine, sie bilden beispielsweise Haare und die Seide. Zu den Polysacchariden gehÜren Zellulose, Stärke und Chitin. Nukleinsäuren erfßllen viele biologische Funktionen, wie Desoxyribonukleinsäure als Erbsubstanz.
⢠Synthetische Polymere sind durch Polyreaktionen industriell oder im LabormaĂstab hergestellte Stoffe, dazu gehĂśren Polyethylen, Polystyrol und Polyvinylchlorid. Chemisch modifizierte Polymere entstehen durch die Weiterverarbeitung von Biopolymeren, beispielsweise Nitrocellulose, Celluloid oder Stärkederivate.
Polymere kĂśnnen nach der Anzahl der Grundstoffe (Monomere), aus denen sie aufgebaut sind, eingeteilt werden.
⢠Homopolymere bestehen aus nur einer Monomerart wie Polyethylen, Polypropylen, Polyvinylchlorid oder Polycaprolactam. Ein natßrliches Homopolymer ist Naturkautschuk als ein Polyisopren.
⢠Copolymere sind aus verschiedenen Monomeren aufgebaut, wie Acrylnitril-Butadien-Styrol-Copolymer (ABS), Styrol-Acrylnitril (SAN) oder Butylkautschuk. Die meisten Biopolymere sind Copolymere.
⢠Polymerblends entstehen durch Mischen von unterschiedlichen Homopolymeren und/oder Copolymeren.cite-ref-2[2] Hergestellt werden sie meist durch intensive mechanische Vermischung von geschmolzenen Polymeren, wobei sich ein homogenes Material ergibt. Eine besondere Form eines Blends ist eine Polymerlegierung.
AuĂerdem lassen sich organische von anorganischen Polymeren unterscheiden. Anorganische Polymere enthalten im Gegensatz zu den organischen Polymeren keine Kohlenstoffatome in der Hauptkette des Polymers. Zu den anorganischen Polymeren zählen Polysiloxane, Polyphosphazene oder Polysilazane. Während Gläser in den meisten chemischen LehrbĂźchern nicht zu den Polymeren gezählt werden, gelten Gläser und teilweise auch Keramik und Basalt in anderen LehrbĂźcherncite-ref-elias-3-0[3] und in der Textiltechnik als anorganische Polymere.cite-ref-cherif-4-0[4]cite-ref-fuchs-5-0[5]cite-ref-bobeth-6-0[6]
Synthetische Polymere
Polymerchemie
Die Bildung von Polymeren aus einzelnen Monomeren erfolgt Ăźber verschiedene Arten von Polyreaktionen, wie Kettenpolymerisationen, Polykondensation oder Polyaddition.
Struktur von Polymeren
Die sich bei der Synthese bildenden MakromolekĂźle haben unterschiedliche Grundstrukturen, die die physikalischen Eigenschaften des Polymers bestimmen. Es kĂśnnen sich lineare MakromolekĂźle bilden, die nur aus einer Polymerkette (Hauptkette) bestehen. Im Fall von Polyethylen ist die Hauptkette ein langkettiges n-Alkan. Je nach Reaktionsbedingungen bilden sich auch verzweigte MakromolekĂźle mit einer Hauptkette auch Seitenketten, bei Polyethylen wären es Alkylreste. Neben der Kettenlänge bestimmt auch der Verzweigungsgrad Dichte, Festigkeit und Schmelzpunkt des Polymers. Hochverzweigte Polymere sind amorph, die MolekĂźle im Feststoff wechselwirken ungeordnet miteinander. Besonders unverzweigte MakromolekĂźle bilden als Feststoff eine teilkristalline Struktur, in der Abbildung unten rot markiert. Während verzweigte und unverzweigte Polymere in der Regel Thermoplaste sind, liegen bei vielen Elastomeren eine weitmaschige Vernetzung zwischen den âHauptkettenâ vor. Eine engmaschige Vernetzung fĂźhrt hingegen zu Duroplasten. Vernetzungen und Verzweigungen sind in den Abbildungen als rote Punkte dargestellt.
lineares MakromolekĂźl verzweigtes MakromolekĂźl teilkristalline Struktur linearer Polymere weitmaschig vernetztes Polymer engmaschig vernetztes Polymer
Polymere, die aus nur einer (realen oder gedachten) Monomerart aufgebaut sind, werden Homopolymere genannt. Polymere, die aus zwei oder mehr unterschiedlichen Monomerarten hergestellt werden, sind Copolymere. Polymere wie Polyethylenterephthalat, die zwingend aus zwei verschiedenen Monomeren hergestellt werden, werden meist als Homopolymere betrachtet, da sich jeweils nur eine charakteristische Wiederholeinheit ausbilden kann.
Homo- und Copolymere (Beispiele) Homopolymer Polystyrol: Eine Konstitutionelle Repetiereinheit, die sich n-fach im MakromolekĂźl wiederholt. Homopolymer Poly(dimethylsiloxan), ein Silikon. Die Hauptkette wird von Silicium- und Sauerstoffatomen gebildet. Copolymer Styrol-Butadien-Kautschuk: Die Monomeren Styrol und 1,3-Butadien bilden zwei Konstitutionelle Repetiereinheiten, die sich nach der Abbildung in beliebiger Reihenfolge in einem MakromolekĂźl abwechseln kĂśnnen. Polyethylenterephthalat hat nur eine charakteristische Konstitutionelle Repetiereinheit, obwohl zur Synthese zwei Monomere eingesetzt werden mĂźssen.
Bei Copolymeren lassen sich ßber Syntheseweg die Abfolge der konstitutionellen Repetiereinheiten lenken. Es wird in statistische und alternierende Copolymere, Blockcopolymere, Pfropfcopolymer und Gradientcopolymere unterteilt. In der Abbildung unten werden schematisch Bipolymere dargestellt, ✠und ⡠symbolisieren die beiden Repetiereinheiten.
Statistisches Copolymer Gradientcopolymer Pfropfcopolymer Alternierendes Copolymer Blockcopolymer
Repetiereinheiten kĂśnnen Substituenten (âResteâ) tragen und werden in Abbildungen häufig mit dem Buchstaben R gekennzeichnet. Sind die Monomereinheiten asymmetrisch, tritt eine Taktizität der Anordnungen im MakromolekĂźl auf. Die Polymere lassen sich in ataktische, isotaktische und syndiotaktische Polymere unterteilen. Ein Beispiel fĂźr Taktizitäten ist Polystyrol mit einer Phenylgruppe als Rest. Während der klassische Syntheseweg zu ataktischen, amorphen Kunststoffen fĂźhrt, ergibt eine syndiotaktische Synthese ein kristallines Polystyrol mit wirtschaftlich steigender Bedeutung.
isotaktisch syndiotaktisch ataktisch
Bei Polymeren, die in der Hauptkette ungesättigt sind, tritt in Analogie zur cis-trans-Isomerie cis- oder trans-taktische Polymere auf, wie bei Naturkautschuk oder auch Butadien-Kautschuk. Stereospezifische Polymerisationen fßhren oft zu hÜherer mechanischer Festigkeit, hÜherer Kristallinität, hÜherer Dichte und hÜherer Wärmestabilität.
Ausschnitt aus einer Polymerkette von cis-1,4-Polybutadien. Eine C4-Einheit ist blau markiert. Ausschnitt aus einer Polymerkette von trans-1,4-Polybutadien. Eine C4-Einheit ist blau markiert.
FestkĂśrperstrukturen
Die makroskopischen physikalischen Eigenschaften eines Polymers sind eng mit den Wechselwirkungen der Polymerketten untereinander verknĂźpft.
⢠Ataktische Polymere, Polymere mit einem hohen Verzweigungsgrad und statistische Copolymere bilden im festen Zustand amorphe, glasartige Strukturen aus.cite-ref-makrochem-7-0[7] In Schmelze und LĂśsung bilden langkettige MolekĂźle tendenziell einen sich ständig ändernden âstatistischen Knäuelâ aus, siehe GauĂkette (Freely-Jointed-Chain-Modell). Im festen Zustand wird die jeweiligen Konformationen der MolekĂźle eingefroren. Verhakungen und Verschlaufungen von KettenmolekĂźlen untereinander fĂźhren zu einer âmechanischen Bindungâ zwischen den Ketten. Zwischenmolekulare und intramolekulare Nebenvalenzbindungen treten nur an Stellen auf, an denen MolekĂźlsegmente nahe genug aneinander liegen. Die unregelmäĂige Strukturen der MolekĂźle verhindert eine engere Anordnung. Solche Anordnungen werden gelegentlich âSpaghettistrukturâ genannt.
⢠Lineare Polymere mit regelmäĂigem Aufbau, mit geringer Verzweigung und stereoreguläre (iso- und syndiotaktische) Polymere haben im festen Zustand eine teilkristalline Struktur.cite-ref-makrochem-7-1[7] Bei einfach strukturierten Polymeren, wie bei Polyethylen, liegen in einer idealisierten Vorstellung weite Bereiche nicht als Knäuel, sondern in Zickzack-Konformation vor. Mehrere Zickzack-Konformationen bilden dichte Kettenpackungen aus und sind damit in diesen Bereichen kristallin. Solche Kristallite werden Lamellen genannt und sind viel dĂźnner (oft etwa 10 nm)cite-ref-kunstcheming-8-0[8] als die Polymere lang sind. Sie werden durch mehr oder weniger reguläre Faltungen einer oder mehrerer MolekĂźlketten gebildet. Zwischen den Lamellen liegen amorphe Strukturen vor. Einzelne MolekĂźle kĂśnnen zwischen den Lamellen zu Verschlaufungen fĂźhren, aber auch an der Bildung von zwei (oder mehr) Lamellen beteiligt sein (Tie-MolekĂźle). Mehrere Lamellen bilden eine Ăberstruktur, einen Sphärolith, oft mit einem Durchmesser im Bereich von 0,05 bis 1 mm.cite-ref-kunstcheming-8-1[8]
Art und Anordnung von (funktionellen) Resten der Wiederholeinheiten beeinflussen oder bestimmen die Kristallinität und die Stärke der Nebenvalenzbindungen mit. Bei isotaktischem Polypropylen bilden die MolekĂźle eine Helix. Helices erlauben, wie bei einer Zickzack-Konformation, eine dichte Kettenpackung. Besonders kräftige intermolekulare Wechselwirkungen treten auf, wenn die Reste der Wiederholeinheiten die Ausbildung von WasserstoffbrĂźckenbindungen erlauben, wie beispielsweise bei p-Aramid. Die Kristallinität und Ăberstruktur sind immer abhängig von den Bedingungen ihrer Bildung, siehe auch Kristallisation von Polymeren. Teilkristalline Strukturen fĂźhren im Vergleich zu amorphen Strukturen zu einer hĂśheren Steifigkeit, Dichte, Schmelztemperatur und Beständigkeit eines Polymers.
⢠Weitmaschig vernetzte Polymere sind Elastomere und lassen sich nicht wie Thermoplaste ohne Zersetzung schmelzen. Thermoplastische Elastomere sind hingegen reversibel Ăźber Nebenvalenzen âphysikalisch vernetztâ und lassen sich schmelzen. Eine Variante sind Blockcopolymere, bestehend aus einem zur Kristallisation neigenden Hart- und einem Weichsegment mit amorpher Struktur. Die Hartsegmente sorgen fĂźr eine weitmaschige, physikalische Vernetzung.
Polymerphysik
â
Hauptartikel
:
Polymerphysik
Die Einteilung der Polymerwerkstoffe erfolgt nach DIN 7724 aufgrund des Temperaturverlaufes des Schubmoduls und des Zugverformungsrestes bei Raumtemperatur. Sie beruht auf dem mechanischen Verhalten im Gebrauchstemperaturbereich und der Existenz eines Schmelzbereiches (FlieĂbereiches):
1. Duroplaste
2. Elastomere
3. Thermoplaste
In der Polymerphysik beschäftigt man sich unter anderem mit
⢠Kristallisation und Kristallisationskinetik
⢠Oberflächeneigenschaften von Polymeren
⢠Rheologie, also dem FlieĂverhalten und der Viskosität
Temperaturbeständige Polymere
Siehe auch
:
Hochleistungskunststoffe#Thermische_Stabilität
Die Temperaturbeständigkeit eines Polymers hängt von der Struktur der verwendeten Monomere, der Stabilität der Bindungen zwischen den Monomeren und den Wechselwirkungen der Polymerketten untereinander ab. Eine hohe Wärmebeständigkeit kann durch eine Steigerung der Schmelzenthalpie und eine Verminderung der Schmelzentropie erreicht werden. Bei amorphen Polymeren sollten die Glastemperatur und bei teilkristallinen Polymeren die Glas- und Schmelztemperatur mÜglichst hoch sein. Zum Erreichen von Temperaturbeständigkeit kÜnnen C-H-Bindungen und C-C-Bindungen durch Bindungen zwischen Kohlenstoff und Heteroatomen wie Fluor, Stickstoff oder Sauerstoff oder aber durch stabilere aromatische Bindungen ersetzt werden. Eine weitere MÜglichkeit ist der Aufbau von Polymeren mit zwei parallelen und miteinander verbundenen Hauptketten (Leiterpolymere).cite-ref-cheldron-9-0[9]
Dauergebrauchstemperaturen
Polyamid (PA 6) 90 °Ccite-ref-tk-10-1[10] (Vicat-Erweichungstemperatur, B/50N, ISO 306: 160 °C)cite-ref-tk-10-2[10]
(PPO) 105 °Ccite-ref-tk-10-5[10]
Polymethylmethacrylat (PMMA) 110 °C
Polypropylen-Homopolymer (PP-H) 110 °Ccite-ref-tk-10-6[10]
Acrylnitril-Butadien-Styrol (ABS) bis 115 °C
Polycarbonat (PC) bis 115 °Ccite-ref-tk-10-7[10]
Polysulfon (PSU) 150â160 °Ccite-ref-tk-10-10[10]
Polymethacrylmethylimid (PMMI) 170 °C
Polyetherimid (PEI) 170 °Ccite-ref-tk-10-11[10]
Fluorsilikon (MFQ, FVMQ) 175 °Ccite-ref-ra-13-1[13]
Polyethersulfon (PES) 180 °Ccite-ref-tk-10-12[10]
Polyetheretherketon (PEEK) 250 °Ccite-ref-tk-10-15[10]
Expandiertes Tetrafluorethylen (ePTFE) 230â270 °Ccite-ref-ra-13-4[13]
Tetrafluorethylen-Perfluor-Methylvinylether (MFA) 250 °Ccite-ref-tk-10-17[10]
Polyimid 260â400 °C
Durch Beimischung von Glasfasern oder andere Additive lassen sich die Dauergebrauchstemperaturen um 10 bis 50 °C steigern.cite-ref-tk-10-19[10]
Tieftemperaturbeständigkeit
Polyvinylidenfluorid (PVDF) â60 °Ccite-ref-ra-13-6[13]
Fluorsilikon (MFQ, FVMQ) â70 °Ccite-ref-ra-13-7[13]
Tetrafluorethylen-Hexafluorpropylen (FEP) â200 °Ccite-ref-ra-13-8[13]
Perfluor Alkoxyalkan Copolymer (PFA) â200 °Ccite-ref-ra-13-9[13]
PE-HWM, PE-UHWM â200 °Ccite-ref-tk-10-20[10]
Expandiertes Tetrafluorethylen (ePTFE) â160 bis â270 °Ccite-ref-ra-13-11[13]
Polyimid â270 °C
Leitfähige Polymere
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Hauptartikel
:
Leitfähige Polymere
â
Hauptartikel
:
Organische Elektronik
Eine Voraussetzung fĂźr die elektrische Leitfähigkeit von Polymeren ist das Vorhandensein von konjugierten Pi-Elektronensystemen. Allerdings sind solche Polymere zunächst immer noch Isolatoren, bestenfalls Halbleiter. Die Leitfähigkeit, vergleichbar mit der von metallischen Leitern, setzt erst dann ein, wenn die Polymere oxidativ oder reduktiv dotiert werden. Die ersten Untersuchungen hierzu erfolgten am Polyacetylen, dessen Leitfähigkeit Ăźber die Dotierung mit Arsenpentafluorid oder Iod erreicht wurde.cite-ref-lei-15-0[15] AuĂerdem steigt die Leitfähigkeit mit zunehmender Kristallinität des Polymers. Weitere Beispiele fĂźr leitfähige Polymere sind dotiertes Polypyrrol, Polyphenylensulfid, Polythiophen sowie metallorganische Komplexe mit makrocyclischen Liganden wie Phthalocyanin. Eine oxidative Dotierung erreicht man mit Arsenpentafluorid, Titantetrachlorid, Brom oder Iod, eine reduktive Dotierung dagegen mit Natrium-Kalium-Legierungen oder Dilithiumbenzophenonat. Beim Dotieren entstehen Ladungen auf den Polymerketten, die durch die Ď-Konjugation Ăźber die Ketten delokalisiert sind. Die Erklärung fĂźr die Leitfähigkeit von Polymeren ist allerdings sehr komplex. So hat man versucht, den Ladungstransport entlang einer Polyenkette mit dem Soliton-Konzept bzw. mit dem Modell der Bipolaronen (auf einem kleinen Raum zusammengehaltene Ladungspaare) zu beschreiben.cite-ref-16[16]
Leitende, also elektrisch aktive Polymere werden zum Aufbau von polytronischen Anwendungen verwendet. Anders als in der Molekularelektronik wird die Information nicht in einzelnen MolekĂźlen, sondern in verschieden dotierten Volumina verarbeitet.
Solche elektronischen Anwendungen sind:
⢠RFID-Tags
⢠Solarzellen
⢠Brennstoffzellen
Eine andere Anwendung ist die Verarbeitung von Polymeren mit Hilfe der Elektronik beim Elektrospinnen.
Gesundheitliche Beurteilung
Polymere werden in der Regel als gesundheitlich unbedenklich eingestuft.cite-ref-17[17]cite-ref-18[18] Kunststoffe kÜnnen daher prinzipiell im medizinischen Bereich (bsp. als Implantate) oder im Lebensmittelbereich (als Verpackung) eingesetzt werden. Es muss jedoch darauf geachtet werden, dass nur unbedenkliche Katalysatoren bei der Herstellung verwendet werden, keine schädlichen Monomere zurßckbleiben etc.
Die Unbedenklichkeit gilt allerdings meist nur fßr makroskopische Einheiten von Polymeren; schwer- bis praktisch nicht-abbaubares Nanoplastik akkumuliert bedenklich in Lebewesen, Organen und sogar Zellen.cite-ref-19[19]cite-ref-20[20]cite-ref-21[21]cite-ref-22[22] Häufig eingesetzte lÜsliche Polymere wie Carbomer oder PVP werden gar nicht erst in makroskopischen Einheiten hergestellt.
Supramolekulare Polymere
Ein relativ neuer Bereich der Polymerchemie umfasst supramolekulare Polymere, also Polymere, deren Bausteine nicht durch kovalente Bindungen, sondern durch vergleichsweise schwache intermolekulare Bindungen, wie etwa Wasserstoffbrßckenbindungen, Ionenbindungen, Metall-Ligand-Wechselwirkungen, Van-der-Waals- oder hydrophobe Wechselwirkungen zusammengehalten werden.cite-ref-23[23] Diese intermolekularen Bindungen kÜnnen leicht zerbrochen werden (bei erhÜhter Temperatur), kÜnnen sich jedoch auch schnell wieder zurßckbilden (beim Abkßhlen). Aufgrund dieser Reversibilität zählen supramolekulare Polymere als neue Klasse selbstheilender Materialien.cite-ref-24[24] Eine weitere Folge der schwachen intermolekularen Bindungen ist die geringe Viskosität von Schmelzen supramolekularer Polymere, was bei der Herstellung und Verarbeitung von Vorteil sein kann, aber auch bei bestimmten Anwendungen, wie dem Tintenstrahldrucken.
Während kovalent gebundene Polymere eine groĂe Rolle in der Natur spielen (DNA, Polypeptide, Cellulose), sind relativ wenige natĂźrlich vorkommende supramolekulare Polymere bekannt. Ein Beispiel supramolekularer Polymerisation in der Natur ist die Selbstassemblierung des Tabakmosaikvirus.
Beispiele und Kurzzeichen
⢠Synthetische Polymere:
⢠Polyethylen (PE)
⢠Polypropylen (PP)
⢠Polyvinylchlorid (PVC)
⢠Polytetrafluorethylen (PTFE), Handelsname ist Teflon (E. l. Du Pont de Nemours and Company) oder Tefal
⢠Polymethylmethacrylat (PMMA), unter dem Handelsnamen Plexiglas (Evonik Industries AG)
⢠Polyacrylnitril (PAN), als Copolymer mit Polymethylmethacrylat zur Herstellung von Textilfasern
⢠Polyacrylamid (PAA) als Gel(-Bildner), Flockungsmittel u. a.
⢠die Gruppe der Aramide (Polyaramide, aromatische Polyamide), darunter die Textilfasern Poly(p-phenylenterephthalamid) (PPTA, Handelsnamen: Kevlar, Twaron) und Poly(m-phenylenterephthalamid) (PMPI, Handelsnamen: Nomex, Teijinconex)
⢠Polyketone, wie Polyetherketone (PEK)
⢠Polyester, zu dieser Produktgruppe gehÜren auch
⢠Polycarbonate (PC) mit Handelsnamen Lexan oder Makrolon (Covestro)
⢠Polyethylenterephthalat (PET)
⢠Polyethylenglycol (PEG)
⢠die Gruppe der Polyurethane (PU)
⢠Silikone, genauer Poly(organo)siloxane
⢠Thiomere, thiolisierte Polymere, die durch Ausbildung von Disulfidbrßcken vernetzen
⢠Biopolymere:
⢠DNS, die Erbsubstanz
⢠RNS
⢠Polyhydroxyalkanoate, die Biopolyester als Energie- und Kohlenstoff-Speicher von Bakterien
⢠Polycaprolacton, als biologisch abbaubarer Kunststoff
Analytik
Zur Bestimmung von Polymeren, Copolymeren und Polymermischungen kann die analytische Pyrolyse, gekoppelt mit der Gaschromatographie (Py-GC/MS) eingesetzt werden.cite-ref-25[25]
Literatur
⢠Manfred D. Lechner, Klaus Gehrke, Eckhard H. Nordmeier: Makromolekulare Chemie. Ein Lehrbuch fßr Chemiker, Physiker, Materialwissenschaftler und Verfahrenstechniker. 5. Auflage, Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg 2014, ISBN 978-3-642-41768-9.
⢠J. Kahovec, R. B. Fox, K. Hatada: Nomenclature of regular single-strand organic polymers (IUPAC Recommendations 2002). In: Pure and Applied Chemistry. 74, 10, 2002, S. 1921â1956, doi:10.1351/pac200274101921, online-Fassung.
⢠Ulf W. Gedde: Polymer Physics. Chapman & Hall, London u. a. 1995, ISBN 0-412-62640-3.
⢠H. Cherdron, F. Herold, A. Schneller: Technisch wichtige temperaturbeständige Polymere, Chemie in unserer Zeit, 23. Jahrg. 1989, Nr. 6, S. 181â192, ISSN 0009-2851.
⢠Klaus Menke, Siegmar Roth: Metallisch leitfähige Polymere I und II, Chemie in unserer Zeit, 20. Jahrg. 1986, Nr. 1, S. 1â10, Nr. 2, S. 33â43, ISSN 0009-2851.
⢠Michael DrĂśscher: Ordnungszustände in Polymeren. In: Chemie in unserer Zeit. Band 10, Nr. 4, 1976, S. 106â113, doi:10.1002/ciuz.19760100403.
⢠Dietrich Braun: Der lange Weg zum MakromolekĂźl â Polymerforschung vor Hermann Staudinger. In: Chemie in unserer Zeit. Band 46, Nr. 5, 2012, S. 310â319, doi:10.1002/ciuz.201200566.
Weblinks
Wiktionary: Polymer
â Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
Commons
: Polymere
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
⢠Literatur von und ßber Polymer im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
⢠VDMA-Polymerelektronik
⢠Chemischer Hintergrund
⢠Einfßhrung und Ausblick in die Chemie der Polymere (englisch)
Einzelnachweise
cite-note-11. â Eintrag zu polymer. In: IUPAC (Hrsg.): Compendium of Chemical Terminology. The âGold Bookâ. doi:10.1351/goldbook.P04735 â Version: 2.3.3.
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